Arbeit mit Jugendlichen: Wie man mit Angst und Furcht umgeht
Angst und Furcht sind häufige Gefühle, die heutige Jugendliche erleben.
Forschungen haben gezeigt, dass ihre Fixierung auf digitale Technologie zu einer Zunahme sozialer Ängste geführt hat, wobei viele junge Menschen wichtige Beziehungs- und soziale Kompetenzen nicht erlernen. Darüber hinaus scheinen soziale Medien die Situation verschlimmert zu haben, indem sie weitere Isolation, Cybermobbing oder FOMO (Fear of Missing Out – Angst, etwas zu verpassen) fördern. Über diese Phänomene wurde im letzten Jahrzehnt viel geforscht, und die Ergebnisse sind in anderen Publikationen leicht zugänglich. Dieser Bericht konzentriert sich darauf, WIE man mit den Gefühlen von Angst und Furcht bei Jugendlichen mittels somatischer Beratung oder Psychotherapie arbeitet.
Zunächst möchte ich den praktischen Ansatz der Beratung von der Psychotherapie unterscheiden. Der Fokus in der Beratung liegt oft auf einer Lösung oder Integration eines Problems. Es handelt sich in der Regel um einen kurzfristigen Ansatz, bei dem der Berater achtsames Bewusstsein, psychologische Aufklärung und Empowerment-Techniken einsetzt, um die Probleme des Klienten in solche zu verwandeln, die er lernen kann zu bewältigen.
Psychotherapie hingegen ist in der Regel ein längerfristiger Ansatz und prozessorientiert. Sie ermöglicht ein tieferes Bewusstsein und eine Transformation der Psyche. Während Psychotherapie in nur wenigen Sitzungen durchgeführt werden kann, erfordert sie, dass die Person bereits zuvor an ihrer Psyche gearbeitet hat. Ich habe hier eine sehr einfache Erklärung dieser beiden Modalitäten gegeben, die sich manchmal überschneiden können, aber für den Zweck dieses Berichts genügt es zu wissen, dass es unterschiedliche Ansätze für die Arbeit mit Furcht und Angst gibt, die in Zeit und Tiefe variieren.
Bei der Arbeit mit Jugendlichen arbeite ich meist mit einem kurzfristigen somatischen Beratungsansatz. Somatische Beratung ist ein ganzheitlicher Beratungsansatz, der alle Aspekte unseres Seins einschließt: den Körper, die Psyche, das Spirituelle, das Materielle, das Soziale, Zeit und Raum. Dieser ganzheitliche Beratungsansatz kann auch als Würfelmodell mit sechs Seiten betrachtet werden. Wir können bei jeder der sechs Seiten mit unserer Untersuchung beginnen, da sie alle miteinander verbunden sind. Somatisch bedeutet körperorientiert, was bedeutet, dass wir den Körper in die Untersuchung einbeziehen und ihn oft als Werkzeug zur Verarbeitung von Emotionen und Gefühlen nutzen.
Wenn also ein junger Mensch mit Angst und Furcht in die Praxis kommt, führe ich zunächst ein offenes und vertrauliches Gespräch darüber, wie er sich im Alltag fühlt und wie diese Gefühle seine Lebensqualität beeinträchtigen. Ich nehme auch eine kurze Familienanamnese auf, um den Kontext und das Umfeld besser zu verstehen. Als Nächstes beginne ich eine Untersuchung der Ressourcen, die sie möglicherweise zuvor genutzt haben, und beginne den Prozess der Entwicklung weiterer Ressourcen, auf die sie leicht zugreifen können, um ihre Resilienz aufzubauen. Sobald wir ein gewisses Maß an Sicherheit und Leichtigkeit rund um das Problem etabliert haben, können wir beginnen, die Gefühle selbst zu betrachten.
Die Erforschung von Gefühlen und Emotionen erfolgt in der Regel durch Achtsamkeitspraxis. Achtsamkeit bedeutet, das Bewusstsein im gegenwärtigen Moment zu halten, indem man beobachtet, was im Geist, im Körper und in den Emotionen vorgeht. Die junge Person wird dazu ermutigt, eine somatische Wahrnehmung ihrer Gefühle sowie ihrer Auslöser aufzubauen. Gemeinsam gehen wir in den Prozess der Transformation dieser Gefühle über, meist mit Hilfe der bereits etablierten Ressourcen. Dieser Prozess wird durch den Aufbau eines Bewusstseins für die tieferen Teile ihres Wesens und den Perspektivwechsel unterstützt, der zwischen den tieferen Zuständen und den äußeren Anteilen (möglicherweise abgespaltenen Teilen) ihres Wesens stattfindet. Der Prozess, der als „Pendeln“ zwischen diesen beiden Zuständen bezeichnet wird, ermöglicht es der jungen Person, eine gewisse Weite um ihr Thema herum zu schaffen und es als das zu sehen, was es wirklich ist.
Zusätzlich zu diesem inneren Prozess würde ich (als Therapeutin) an Strategien arbeiten, um effektiv mit Auslösern umzugehen und wie sie sich ihrer frühzeitig bewusst werden können. Der Klient wird befähigt, neue Wege zu finden, um mit aufkommenden Zuständen von Angst oder Furcht umzugehen, wie zum Beispiel durch Atemarbeit oder durch die Verbindung mit der Vision eines sicheren Ortes, der zuvor auf somatischer Ebene etabliert wurde. Beide Methoden würden das Nervensystem beruhigen und der Person ermöglichen, sich von ihrer Angstreaktion zu lösen. Natürlich würden diese Strategien für jede Person unterschiedlich aussehen.
Somatische Beratung und Psychotherapie bieten einen ganzheitlichen Ansatz mit einer großen Vielfalt transformativer Werkzeuge, um mit Zuständen von Angst und Furcht umzugehen. Sie helfen jungen Menschen, ihre Gefühle zu verstehen, sie zu integrieren und ihr Selbstvertrauen wiederzufinden, um ihr Leben in vollem Potenzial zu leben.
Literaturverzeichnis:
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Ogden, P., & Minton, K. (2006). Trauma and the Body. A sensorimotor approach to Psychotherapy. Norton.
Siegel, D. (2013). Brainstorm. The power and purpose of the teenage brain. Penguin.